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Particles


...das weiße Nichts, die wieder ruhig gewordene Oberfläche, auf der unverbundene Bestimmungen wie vereinzelte Glieder treiben. (Gilles Deleuze: Differenz und Wiederholung)


Particles (2016) ist eine fortlaufende Serie von Arbeiten auf Papier, die ich als Ergänzung und Gegenstück zu meinen Arbeiten auf Leinwand betrachte. Während letztere mit sehr reduzierten Mitteln gemacht sind – primäre Setzungen von schwarzer Tinte auf vorgrundierter Leinwand, die Ordnung aus Chaos (dem Chaos der noch nicht aktivierten Tinte in der Flasche und der unstrukturierten leeren Leinwand) erzeugen und so Bedeutung herstellen – untersuche ich in den Arbeiten auf Papier im Gegenteil dazu, was geschieht, wenn Kulturprodukte beginnen, die ihnen verliehene Bedeutung wieder zu verlieren. Mein Ausgangspunkt sind fragmentarische Objekte, die ich vom Atelierfußboden aufsammele und vor einem weißen Hintergrund fotografiere – Schnipsel auf dem Weg in den Müll, vor ihrer endgültigen Rückkehr ins Chaos. In einer früheren verwandten Serie von Arbeiten auf Papier wurden die so entstandenen Fotografien im Computer weiter bearbeitet und um typographische Elemente und Symbole ergänzt, durch weitere Kulturprodukte also, die derart aus dem Kontext des Zeichensystems gerissen und isoliert dargestellt ihrerseits an Aussagekraft verloren. Dazu kamen Textpassagen, die als sowohl sprachliche wie auch visuelle Elemente fungierten und sich mit all den anderen Komponenten zu einer Gesamtdarstellung verbanden. In der Serie Particles tauchen einzelne dieser Elemente erneut auf, allerdings sind sie nun zumeist gesondert betrachtet beziehungsweise isoliert auf ansonsten leerem Papier dargestellt. Spuren der Zerstörung sind auf manchen klar erkennbar, so weisen etwa Knitterfalten darauf hin, dass das Papier zerknüllt worden ist.

Particles umfasst neben 78 Arbeiten auf Papier und einer gefundenen Zeitschriftenseite eine eigens für die Blätter handgefertigte Kartonschachtel und eine transportable Präsentationsvorrichtung aus einer aus zwei Holzplatten und drei Holzböcken konstruierten Tischfläche sowie zwei Holzleisten, die an der Wand anzubringen sind. Da nicht beabsichtigt ist, verbindliche Beziehungen zwischen den einzelnen Komponenten herzustellen, gibt es keine festgelegte Art und Weise der Hängung oder Anordnung auf dem Tisch; jede zukünftige Präsentation der Arbeit wird komplett anders aussehen. Dennoch birgt die experimentelle Situation das Potential, dass sich statt Chaos eine Art neuer Ordnung herauskristallisieren könnte und für individuelle Betrachter fragmentarische Bedeutung bestehen bleibt oder neue Beziehungen entstehen.